Published On: Mon, Oct 7th, 2013

Review: Bioshock infinite

Bioshock Infinite

 

“Bring us the girl and wipe away the debt!”
Ein Satz den man nur all zu oft hören wird in Bioshock Infinite…

Bioshock Infinite ist seit einigen Monaten auf dem Markt, aber definitiv noch aktuell. Die Medien warfen bei Release nur so um sich mit guten Bewertungen, und manche bezeichneten es sogar als einen Meilenstein in der Spielgeschichte. Im folgenden Bericht werde ich erläutern, wieso und wieso nicht meiner Meinung nach diese guten Bewertungen berechtigt sind, und ich werde es selber nach einigen Grundkriterien, wie Gameplay, Graphik und Story bewerten. Ich werde mich in diesem Bericht ausschließlich auf die englische PS3-Version beziehen, also nicht auf die Graphik der PC-Version oder auf die deutschen Synchronstimmen eingehen.

Es ist das Jahr 1912. Wir starten auf einem kleinen Ruderboot mitten im stürmischen Meer. Vor uns sitzen zwei Personen in quietschgelben Regencapes. Sie reden und tratschen vor sich hin und scheinen einen fast zu ignorieren. Wir fragen sie, wie lange es noch dauere, stattdessen aber geben sie uns einfach nur eine hölzerne Box mit der Inschrift: „Booker DeWitt 7th Cavalry“. In der Box finden wir eine Pistole, ein Bild einer Frau und eine Notiz mit der Anweisung die junge Frau nach New York zu bringen. Wer ist diese Frau? Warum sollen wir sie nach New York bringen? Nicht ungewöhnlich ist es in Bioshock Infinite, wenn man ständig mit Fragen im Kopf umher wandert. Nach kurzem Rudern und Gesprächen über Gedankenexperimenten der beiden anderen Gestalten, landen wir schließlich bei einem Leuchtturm, welcher den Weg nach oben darstellt.

In einer kleinen Kapsel katapultiert es uns dann nach Columbia, in die Wolkenstadt. Raketenschnell fliegen wir nach oben, bis wir langsam runter schweben und durch ein Fenster den ersten Anblick von Columbia bekommen. Nicht umsonst ertönt aus den Lautsprechern: “Halleluja”. Schwebende Gebäude und unglaubliche Lichteffekte, machen einen fast himmlischen Eindruck. Das Spiel gewährt uns noch einen kleinen Augenblick und dann dockt auch schon die Kapsel an. Die Tür öffnet sich und wir finden uns in einer Kirche wieder. Überall sehen wir Kerzen und christliche Abbilder. Doch sind diese wirklich christlich? Anstatt Abbilder Jesus sehen wir den Propheten, Zachary Colmstock, der Hauptantagonist im Spiel.

Wir gelangen durch die Kirche in die Stadt, und auch dort finden wir Priester wieder und Statuen von den Gründervätern. Wer jetzt “gut” aufgepasst hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass es sich bei Columbia um eine religiöse, patriotische Stadt handelt. Der Gedanke einer fliegenden Stadt mag vielleicht total bescheuert klingen, stört aber bei Columbia gar nicht und das merken wir besonders, wenn wir die Tore zur Stadt öffnen.

Die Stadt überzeugt anfangs mit Farbenfrohheit und Helligkeit. Gebäude, Poster oder die Parade zu Ehren Zachary Colmstocks sehen unglaublich aus. Wir begeben uns weiter, fort zum spaßigen Jahrmarkt. Dort gibt es: Schießstände, Voxophone, Vigors etc. Der Jahrmarkt zeigt uns die vielen besonderen Gegenstände, die es in Columbia gibt und bietet uns viele Informationen über die Stadt. Columbia wirkt unglaublich schön und einladend auf uns, bis wir dann auf einmal bei einer Verlosung in ein blutiges Massaker verwickelt werden und wir um unser Leben kämpfen müssen. Nach einigen Ballereien in den Straßen machen wir uns auf den Weg zu einer riesigen goldenen Statue, in der die junge Frau Elizabeth gefangen gehalten wird. Nachdem wir sie befreit haben, versuchen wir dann gemeinsam zu entkommen.

 

Story (9/10)

“Gewagt und gewonnen!” – Bei dem Storytelling gingen die Entwickler ein großes Risiko ein. Bombastische Filmsequenzen, wie in den gezeigten Trailern gibt es hier nicht. In den meisten Blockbusterspielen wird auf viele Cutscenes mit großer Dramatik gesetzt. Spieler die bisher nur solche Erfahrungen mit Storytelling in Spielen gesammelt haben, könnten sich in Infinite sehr schnell langweilen. Bioshock Infinite ist hier sehr anders. Man könnte es als ein “passives” Storytelling bezeichnen. Spieler werden nicht gezwungen, 30 Sekunden lang den Controller wegzulegen und zuzuschauen. Eher sind die Details der Story in der Spielwelt verborgen und überall kleine Puzzlelteile, die man sich selber zusammen setzen muss. So liegen die Details oftmals in Plakaten, Postern, Voxophone oder den Gesprächen zwischen Booker und Elizabeth. Dieses Spielerlebnis wirkte auf mich besonders erfrischend und machte viel Spaß.

Die Story lässt sich in 3 Abschnitten einteilen. Am Anfang entführen wir Elizabeth und versuchen zu entkommen. Leicht gesagt und leider auch leicht getan. Die Entführung ist super einfach und es stehen uns, zumindest spielerisch, keine Blockaden im Weg. Meiner Meinung nach hätte man diese Entführung anders, insbesondere schwerer, gestalten sollen. Nach der Entführung versuchen wir aus Columbia zu fliehen und Elizabeth nach New York zu bringen. Dies wird aber in die Länge gezogen, wie beispielsweise in der Szene, als Elizabeth sich gegen die Entführung wehrt und wir in andere Geschehnisse in Columbia verwickelt werden. Ich werde diese Ereignisse nicht spoilern, aber sagen, dass diese meiner Meinung nach schwach umgesetzt und leider komplett austauschbar sind. Gegen Ende nimmt die Story hingegen wieder Fahrt auf und man bekommt eine Ahnung davon, weshalb so viele Spielemagazine die Geschichte hoch gelobt haben. Im letzten Teil werden viele kleine Details angesprochen, welche einem im vorherigen Spielverlauf vielleicht aufgefallen sein mögen, allerdings nicht als wichtig erschienen sind. Das Ende beantwortet viele Fragen und bringt viele Puzzleteile zusammen. Es wär allerdings nicht Bioshock Infinite, wenn es ein einfaches Happy End gäbe. Nein! Die letzten 30 Minuten werfen viele neue Fragen auf, die einem Kopfschmerzen bereiten und Gänsehaut pur sind. Selbst nach einem zweiten Durchspielen ging ich durch das Ende mit einem ständigen “Hä was? Oh mein Gott!” auf meinem Lippen.

Oft erwähnte die Presse – im Zusammenhang mit der souveränen erzählten Story – die Charaktere. Vor Release betonten die Entwickler immer deutlichst, dass sie Elizabeth sehr menschlich wirken lassen wollten. Hier muss ich “Jein” sagen. Gut gelungen ist ihnen sicherlich, dass Elizabeth nie wie eine nervige Eskortmission wirkt. Sie steht nie planlos in Räumen, sondern inteagiert mit ihnen. Im Kampf spielt sie ebenfalls nie eine nervige Rolle und unterstützt uns stattdessen. Es gibt hingegen auch kritisch zu bewertende Aspekte. Anfangs zeichnet sich ihr Charakter durch Eigenschaften aus, wie lustig, neugierig und verspielt. Gegen Ende wirkt ihr Charakter leider eher blass und emotionslos. Trotzdem bildet sich zwischen Elizabeth und Booker ein starker Zusammenhalt. Ebenfalls erfahren wir über Booker im Spielverlauf einiges. Die Enthüllung über seine Vergangenheit ist Bioshock-gemäß sehr clever. An den Hauptcharakteren feilte Irrational Games sehr. Aber auch nur an den Hauptcharakteren. Alle anderen Charaktere im Spiel werden kaum oder gar nicht angesprochen. So sprechen Booker und Elizabeth merkwürdigerweise wenig über Colmstock.

Schließlich wäre zu sagen, dass ich das Storyerlebnis in Bioshock Infinite sehr genoss und komplett in das Spielgeschehen eingetaucht bin. Es gibt allerdings einige Verständnislücken und Informationen fehlen, die aufmerksame Spieler auffallen und stören. Das Grübeln über Fragen und die Suche nach Antworten macht hingegen unglaublich viel Spaß und sorgt für ein insgesamt sehr anspruchsvolles und stimmiges Spielerlebnis. Das Blockbusterende, welches an Überraschung jeden Kinofilm übertrifft, unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich.

 

Gameplay (5/10)

Bioshock Infinite ist ein Shooter und dementsprechend nimmt das “Ballern” einen Hauptteil der Spielzeit ein. Wir können zwei Waffen mit uns tragen. Hier stehen uns eine Schrotflinte, Pistole, Revolver, Scharfschützengewehr, Karabiner, Minigun, Granatwerfer, Raketenwerfer und 4 Sturmgewehre zur Verfügung. Ebenfalls gibt es noch 8 Fähigkeiten, wie das Werfen von Feuerbällen, Schocken der Gegner oder das Besessen von Gegnern, um sie als Verbündete zu gewinnen, für kurze Zeit. Die Fähigkeiten bekommen wir durch bestimmte Flaschen, welche dann irgendwo rumliegen. Die Fähigkeiten verbrauchen sich, laden aber über eine Leiste, welche sich nur durch Salze füllen lässt. Diese können wir entweder finden, bei Automaten kaufen oder Elizabeth wirft uns welche im Kampf zu.

Im weiteren Spielverlauf bekommen wir noch einen Schild, der Schaden nehmen kann und sich wieder auffüllt. Bei den vorher genannten Automaten können wir Munition, Medikits, Salze, Upgrades für Waffen oder Upgrades für unsere Fähigkeiten kaufen. Elizabeth kann uns im Kampf auch sehr hilfreich sein, entweder durch das Zuwerfen von Items oder Öffnen von Rissen in andere Dimensionen (Spoileralert ;)). Auch wenn die oben genannten Features ganz cool klingen, ist das Shooter-Gameplay das schwächste Glied im Spiel. Die KI ist dumm und lediglich eine große Welle von Gegner zu bekämpfen ohne Deckung zu haben wird auf Dauer ein Problem. Wir können nicht vor den Gegnern fliehen oder sie zwingen zu fliehen, stattdessen bewegen wir uns durch die Level fort und bekämpfen eine kleine Welle von Gegner nach der anderen.

Das spielinterne Transportsystem “Sky-Line”, das ähnlich einer Schwebebahn aufgebaut ist, kann auch während der Kämpfe genutzt werden und würde damit viel zu einer Dynamik des Kampfgeschehens beitragen. Leider fallen die Einsatzmöglichkeiten nur sehr gering aus und man ist bereits nach sehr kurzer Zeit wieder auf den klassischen Fußweg angewiesen. Letztendlich dienen sie dann doch meist nur als Übergang von einer Passage zur nächsten und sind so im Kampfgebiet nur beschränkt von Nutzen. Allgemein sind die Level sehr klein und bieten nicht viel Freiraum im Kampf. Wer sich da noch an die wuchtige E3 Demo 2011 erinnert, wird hier sehr enttäuscht sein.

 

Grafik und Spielwelt (8/10)

Die Welt von Columbia ist meist der zweite Punkt den die Medien ansprechen, wenn sie meinen das Spiel sei perfekt. Auch Irrational Games betonte vor Release, die Spieler sollten sich die Welt anschauen. Die Levels sind sehr gut gestaltet und bieten viel Abwechslung. Die Stadt und ihre Gebäude sehen schön aus. Man kann viele kleine Details in der Umgebung entdecken, wie beispielsweise in den Postern und Plakaten. Das Erkunden der Spielwelt macht viel Spaß.

Die Spielwelt ist aber nicht perfekt. Die Menschen und ihre Animationen in der Stadt sehen hässlich aus, meist sind es sogar die gleichen. Es gibt viele 2D-Texturen oder sehr hässliche 3D-Texturen. Dies fällt natürlich nur beim genauen Hinschauen auf, aber die Entwickler sagten, man solle sich die Welt anschauen, und es gibt Magazine die dem Spiel 10/10 für die Grafik geben. Die Welt ist schön und detailliert, aber nicht perfekt, und dies zieht die Qualität vom Spiel ein bisschen runter, da das Herumlaufen und Anschauen ein großer Gameplay-Aspekt ist in Infinite.

 

Audio (10/10)

Audio in Bioshock Infinite ist sehr gut und überzeugt. Die Waffen und Fähigkeiten klingen authentisch. Der Soundtrack und das Voiceacting im Englischen ist überragend und tragen sehr viel zur Spielatmosphäre bei. Es gibt wenige Spiele, die in diesem Bereich mit Bioshock Infinite mithalten können.

 

DLCs

Es ist für Bioshock Infinite bisher ein DLC erschienen, namens “Clash in the Clouds”. In “Clash in the Clouds” bekämpfen wir kleine Wellen von Gegnern in 4 Leveln und verdienen uns Geld, womit sich kleine Extras wie Soundtracks aus dem Spiel erwerben lassen, welche wir in einem kleinen Museum im “Clash in the Clouds”-DLC anschauen können. Es ist noch “Burial at Sea”, ein zweiteiliges DLC geplant, welches Booker und Elizabeth in die Unterwasserstadt Rapture befördert. Im ersten Teil spielen wir als Booker und können Rapture vor seinem Untergang erkunden, wohingegen wir im zweiten Teil als Elizabeth spielen und uns durch Rapture kämpfen.

 

Videos

 
Meine Meinung.
Bioshock Infinite macht viel Spaß und das selbst nach dem zweiten Durchspielen. Die Story und die Spielwelt sind sehr tiefgründig und detailliert und bieten viel zu erkunden. Perfekt ist das Spiel sicherlich nicht. Viele kleine Mängel stören, und eine E3 Demo 2011 zeigt vielleicht, was das Spiel hätte werden können. Auch trotz vieler kleiner Kritikpunkte ist Bioshock Infinite ein sehr gutes Spiel und verdient es sicherlich mal gespielt zu werden.

Wertung

7.6 Punkte
Positives Spannende Geschichte mit aufwändiger Inszenierung.
Negatives Letzlich doch ziemlich viel Ballerei.
  • Story
  • Gameplay
  • Grafik
  • Spielwelt
  • Audio

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Displaying 1 Comments
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  1. Boa, ey! Isch krieg scho lauder Kopfschmerzen vom Denken.

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